3 Fragen an die Designerin Sina Otto

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Ein Donnerstagmorgen im Dezember. Wedding, Reinickendorfer Straße, Ecke Gerichtstraße, schräg gegenüber des Nettelbeckplatzes. Den Augen der Öffentlichkeit entzogen befinden sich mehrere Ateliers und Studios in dem Gebäude, das nur eines der vielen Casinos des Weddings zu beherbergen scheint. Eine clevere Tarnung für die Kreativen, welche in diesem Teil des Weddings immer häufiger anzutreffen sind. Beim Anblick des Straßenbildes versteht man allerdings nicht auf Anhieb, wie Kultur dort eigentlich hinpassen soll, in das triste Grau, das nur von den Reklamen des Casinos abgelöst wird. Dabei trägt es sogar einen erheblichen Teil dazu bei, dass das Kreativhaus überhaupt als solches existieren kann.

Heute wird gemeinsam gefrühstückt. Alle kreativen Mieter der großzügig geschnittenen Büroflächen tragen einen Teil zur Frühstückstafel bei. Fröhliches Geplauder. Austausch über abgeschleppte Autos auf dem Nettoparkplatz, Klatsch & Tratsch, Updates über laufende Projekte. Die Ateliergemeinschaft im Eckhaus in der Reinickendorfer Straße ist eine von vielen produktiven Mikrouniversen des Weddings.

An diesem Tag treffe ich Sina Otto. Sina war als Designerin dafür verantwortlich, dass die Website von Kultur Mitte so aussieht wie sie heute aussieht. (Auch wenn die Arbeiten daran noch nicht ganz abgeschlossen sind.) Dafür sind wir ihr sehr dankbar. Ein guter Grund daher, sie heute unseren Lesern vorzustellen:

Wer bist Du und was machst Du?

Wer ich bin ist wirklich weitreichend, das versuche ich selbst herauszufinden. Ich bin auf jeden Fall ein neugieriger Mensch und habe eine starke Wahrnehmung und Fantasie. Das erklärt, warum ich mich kreativ betätige. Dabei bin ich nicht auf ein Gebiet spezialisiert, sondern gestalte alles von Logo über Flyer und Zeitung bis Website, neuerdings auch Tape-Art. Meine Leidenschaft ist die Typografie. Bei einem Bewerbungsgespräch wurde ich mal als ein bunter Strauß Blumen bezeichnet. In Agenturen habe ich auch gearbeitet; angefangen 1999 als ich meine Ausbildung zur Mediengestalterin absolviert habe. Ein Jahr nach Abschluss des Studiums 2009 habe ich mich selbständig gemacht und arbeite auch für große Verlage. In Berlin bin ich übrigens seit 2010, ursprünglich aus Frankfurt/Main, habe daneben einige Zeit in Mailand und England verbracht und war in Indien für einige Monate zum Tanzen. Aber Tanzen kann ich auch in Berlin. Hier kann man ja vieles machen. Und nebenbei tolle Leute kennenlernen. Ich wünsche mir nur noch mehr freie Arbeit aus dem Kulturbereich und Zusammenarbeit mit anderen Selbständigen.

Buch: Stadteinwärts – Corporate Identity von Städten (ausgezeichnet vom DDC)

 

Logo: Jubiläumsmarke für die Universität Wien

 

Wie hast Du in den Wedding gefunden?

Da muss ich weiter ausholen. Im Frühjahr 2013 war ich bei einem Creative Morning und habe einen Vortrag von Martina Flor über Lettering gehört. Ich war so begeistert, dass ich sie danach fragte, ob sie bei mir im Studio (damals in Schöneberg) einen Kurs geben wolle. So kam sie dann wöchentlich und unterrichtete. Ein Jahr später suchte Martina noch Leute, um einen großen Raum im alten Krematorium in Wedding zu beziehen. Im Herbst zogen wir dort gemeinsam mit 13 anderen Freischaffenden ein. Leider mussten wir 2017 diesen schönen Ort verlassen. Mit vier Neulingen aus der Gemeinschaft bin ich dann nur ein Stück weiter in ein Haus mit anderen Kulturschaffenden gezogen und bin dort sehr glücklich.

Welches sind Deine Lieblingsorte in Wedding / Mitte?

Mirage Bistrot - Nettelbeckplatz/ Reinickendorfer Straße 110

Caffetteria Buchhandlung, Tucholskystraße 32

Tiergarten, entlang des Wassers 

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Website Sina Otto