Musik, Musik, Musik!

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Zwei Plakate der Fête de la Musique am Zaun des Gemeinschaftsgartens Himmelbeet

Seit Jahrhunderten hat der Tag, an dem die Sonne am längsten auf die Nordhalbkugel scheint, für die Menschen eine besondere Faszination. Am 21. Juni ist Sommersonnenwende und damit dort der kalendarische Sommeranfang. Kelt*innen und German*innen feierten an diesem Datum Fruchtbarkeitsfeste. In skandinavischen Ländern wird noch heute das Mittsommerfest begangen, um den Sommer zu begrüßen. Dabei werden Blumen gepflückt, die ersten Jungkartoffeln gegessen und viel im Freien getanzt. Es steht also in schöner Tradition, dass die Fête de la Musique, also das „Fest der Musik“, an genau jenem Tag, dem 21. Juni jeden Jahres, stattfindet.

1981 fand die Fête in Paris auf Initiative des französischen Kultusministers Jack Lang das erste Mal statt. Mittlerweile gibt es das Fest in vielen Ländern, darunter Tschechien, Ungarn, die Schweiz und Deutschland. Das Schöne an der Feier: Musiker*innen – ob professionell oder Amateur, ob Band oder DJ – treten im öffentlichen Raum honorarfrei auf. Die Veranstaltungen sind dadurch für das Publikum kostenlos.

Berlin ist eine Stadt der Musik, bekannt für die vielen hier lebenden Künstler*innen, die Vielfalt der hier hörbaren Musikgenres und die Clubs mit den unendlichen Partys. Dementsprechend bunt ist auch das Programm der Fête de la Musique. Es gibt große Veranstaltungen mit bekannten Künstler*innen. Doch an dem Tag lohnt es sich auch, mal zu schauen, welche besonderen, kleinen Orte man entdecken kann, die unbekannte Künstler*innen im Programm haben.

Eine kleine musikalische Tour

Ich beginne meine diesjährige Tour de Fête beim Gemeinschaftsgarten „himmelbeet“ in der Nähe des Leopoldplatzes im Wedding. Auf 1.700 Quadratmetern gärtnern hier Anwohner*innen in vielen selbst gezimmerten Hochbeeten. Und das sehr erfolgreich: Jedes Beet ist begrünt. Als wüsste sie, welcher Tag es ist, scheint die Sonne und der Garten ist rappelvoll. Menschen sitzen auf den Sitzbänken, die zwischen den Beeten eingelassen sind, sie stehen vor der Ausgabe des Cafés und dem extra für diesen Tag eingerichteten Biertresen ein paar Schritte vor der Terrasse. Kinder rennen zwischen den Hochbeeten herum und springen in die Pfützen, die beim Gießen der Pflanzen entstanden sind.

Viel los im "himmelbeet" zur Fête de la Musique

Dazu gluckert fröhlich der Sound des französischen Künstlers Leo Banton. Er spielt Reggae und kaum eine andere Musikrichtung könnte besser ins Ambiente passen, als diese warmen Klänge. Dass er auch bekannte Lieder wie „No woman no cry“ von Bob Marley spielt, lockert die Stimmung zusätzlich auf. Schunkeln und Feierabendbier während die untergehende Sonne die grünen Pflanzen in orangefarbenes Licht hüllt – ein bisschen von dem Mittsommer-Feeling kommt auch im Himmelbeet durch.

Als es immer dämmriger wird, laufe ich die Schulstraße entlang, bis sie einen Knick macht und zur Exerzierstraße wird. Schon von weitem hört man Stimmengewirr und Musik. Es kommt vom „be‘kech“, Berlins erstem „Anti-Café“. Das Konzept: Hier zahlt man nicht, was man konsumiert, sondern die Zeit, die man im Café verbringt. Für 5 Cent die Minute darf man das WiFi nutzen, Kaffee trinken und sich am vegan-vegetarischen Buffet bedienen. Ein Co-Working-Space mit bunten Teppichen, der Berlin und Marrakesch zusammenführen will – zu „be‘kech“ eben.

Ab in den Keller

Heute, beim Fête de la musique, ist alles ein bisschen anders. Das Dabeisein ist frei und statt Buffet gibt es Musik von queeren Künstler*innen of Colour. Sieben Künstler*innen stehen im Programm, bis nach Mitternacht wird die Party gehen. Denn für das „be‘kech“ ist heute nicht nur Fête de la Musique, sondern auch der zweite Geburtstag.

Als ich ankomme, stehen und sitzen die Besucher*innen noch draußen vor dem „be‘kech“. Die Bühne – bestehend aus einem großen Teppich – ist auf dem Bürgersteig. Darauf steht die südafrikanische Sängerin Adelle Nqeto mit ihrer Gitarre und singt Balladen, die gleichermaßen melancholisch und hoffnungsvoll, folkig und poppig klingen. Um sie herum sitzen Zuschauer*innen still und schauen sie an. Nur diejenigen, die weiter weg sitzen oder stehen, unterhalten sich. Das Publikum ist anders als im Himmelbeet – hipper. Fast schon ungewöhnlich hip für den Wedding. Die Menschen tragen neonfarbene BHs unter schwarzen Netztops, bunte Oversized-Hemden und viele Tattoos.

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Die Straße vor dem "be'kech" wird zur Bühne

Langsam wird es dunkel, das Licht der Lichterketten spiegelt sich in der Scheibe des „be'kech“. Nach dem Applaus bittet die Besitzerin, alle hinein zu gehen – 22 Uhr naht und damit die Zeit, ab der Ruhe auf der Straße herrschen muss. Die Party ist deswegen aber noch nicht zu Ende, nach einer kurzen Umbaupause soll es im Keller weitergehen.

Ich bleibe noch eine Weile dort, bis ich mich auf den Weg zu meinem dritten und letzten Ziel des heutigen Abends mache: dem „kallsch&“ in Moabit. Auch dieses Barprojekt feiert heute Geburtstag. Seit drei Jahren gibt es dort nicht nur günstige Getränke im chabby-chicen Ambiente, sondern auch Poety Slams, Jam-Sessions, Filmvorführungen und allerlei anderer Veranstaltungen.

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Wildes Getanze im "Kallsch&"

Als ich ankomme raunt mir ein junger Mann, der vor dem Eingang sitzt, zu: „Achtung, es ist Arsch voll da drin. Todes voll.“ Ich gehe trotzdem rein und merke: Recht hat er. Es ist wirklich voll, an der Bar, an den Tischen, auch auf der Tanzfläche im hinteren Bereich ist viel los. Die Stimmung ist super, ein DJ legt Funk auf und die Menge tanzt ausgelassen. Lange kann ich mich aber nicht anschließen – schnell wird es mir zu warm. Aber das macht nichts. Ich mache mich auf den Weg nach Hause, freue mich, neue Musiker*innen entdeckt zu haben – und neue Orte, an denen ich noch einige laue Sommernächte verbringen kann.

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Musik, Musik, Musik!

Am 21. Juni feiert die ganze Welt die Musik und den Beginn des Sommers. Zu Besuch an drei Orten in Berlin-Mitte
Ort

von Maike Brülls