Die Klosterruine Berlin lädt jeden dritten Donnerstag im Monat von Mai bis September zu einer öffentlichen Führung durch das historische Baudenkmal ein. Gemeinsam mit Alin Daghestani, Programmkoordinatorin und kuratorischer Assistenz der Klosterruine, erhalten Besucher:innen Einblicke in die Geschichte des ehemaligen Franziskanerklosters sowie in die aktuellen ortsspezifischen künstlerischen Arbeiten vor Ort. Im Anschluss an die Führung besteht Raum für Austausch und Gespräch.
Im Mittelpunkt dieses Termins steht die ortsspezifische Installation BEHOLD GOD IN ALL THAT EXISTS IN HIS NAME von Nazanin Noori, die eigens für die Klosterruine entwickelt wurde. Die Arbeit setzt den historischen Raum des ehemaligen Sakralbaus in Beziehung zu Fragen religiöser Zugehörigkeit, gesellschaftlicher Machtstrukturen, öffentlicher Wahrnehmung und unterschiedlichen Vorstellungen des Göttlichen.
Die Installation besteht aus vier leuchtenden Rollwegweisern, die vor den erhaltenen Grabdenkmälern zu einer zwölf Meter langen Lichtskulptur angeordnet sind. Auf den signalorangefarbenen Flächen erscheint der Satz „BEHOLD GOD IN ALL THAT EXISTS IN HIS NAME“. Die aus der Luftfahrttechnik entlehnten Wegweiser werden aus ihrem funktionalen Kontext gelöst und in einen neuen räumlichen und inhaltlichen Zusammenhang überführt. Zwischen sakraler Architektur und technischer Lichtstruktur eröffnet die Arbeit ein Spannungsfeld zwischen religiöser Ordnung, kollektiver Identität und gegenwärtigen Formen gesellschaftlicher Orientierung.
Gleichzeitig verweist die Arbeit auf pantheistische Denkmodelle, in denen das Göttliche als immanente Präsenz in allen Dingen verstanden wird. Der Zusatz „IN HIS NAME“ bleibt dabei bewusst ambivalent und lenkt den Blick auf historische wie gegenwärtige Machtmechanismen religiöser Sprache, die Ausschlüsse, Hierarchien und Gewalt legitimieren konnten. Die Installation bewegt sich damit zwischen Spiritualität, politischer Geschichte und der Fragilität gesellschaftlicher Ordnungssysteme.
Am 16. Juli ist die Künstlerin Nazanin Noori der ortsspezifischen Installation BEHOLD GOD IN ALL THAT EXISTS IN HIS NAME in der Klosterruine mit dabei.
Weitere Termine: 18. 06., 16.07., und 17.09.2026
Eintritt frei, ohne Anmeldung
Biografie der Künstlerin Nazanin Noori
Nazanin Noori lebt und arbeitet in Berlin. Ihre interdisziplinäre Praxis umfasst Installation, Klangkunst, Komposition, Live- und Lecture-Performance, Regie sowie Text. In ihren Arbeiten untersucht sie die Verschmelzung von Klang, Raum, Skulptur und postdramatischer Poesie und widmet sich dabei sowohl religiösen als auch medialen Machtordnungen. Im Zentrum steht die Frage, auf welche Weise Erfahrungen von Spiritualität, Protest und kollektiver Wahrheit vereinnahmt oder verzerrt werden. Ihre hypnoakustischen Kompositionen prägen eine eigenständige Klangästhetik, für die sie den Begriff Ambient Hardcore entwickelt hat.
Ihre künstlerische Praxis begann 2016 mit Kompositionen für Theater und Kunstfilm. Ihr Debütalbum FARCE erschien beim Label enmossed. Die 54-minütige Soundarbeit HAAL wurde erstmals 2021 im Rahmen der Ausstellung „The Sun Machine Is Coming Down“ der Berliner Festspiele im ICC präsentiert und anschließend von Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt.
Nooris Arbeiten wurden in zahlreichen Galerien und Institutionen gezeigt, darunter EIGEN + ART Lab, Auto Italia, die Akademie der Künste Berlin, CCA Berlin, M Leuven, das Haus der Kulturen der Welt, das Eye Filmmuseum sowie im Rahmen der Transmediale. Ihre Performances waren unter anderem im Martin-Gropius-Bau, in der Villa Massimo, im Berghain, in der Schirn Kunsthalle, im Schauspielhaus Zürich, in La Gaîté Lyrique, im Rahmen von CTM sowie am ICA London zu erleben.
Nazanin Noori war Artist-in-Residence an der Jungen Akademie der Künste, bei Rupert und Callie’s. Ihre Theaterarbeiten wurden am Maxim Gorki Theater, am Deutschen Theater und am Berliner Ensemble aufgeführt. Ihre Soundszenarien wurden von verschiedenen internationalen Radiosendern präsentiert, darunter Mutant Radio, Deep House Tehran und Refuge Worldwide, wo sie seit 2021 eine Residency innehat. Im Jahr 2026 wurde Nazanin Noori mit dem ars viva-Preis für Bildende Kunst ausgezeichnet.
Klosterruine
Klosterstraße 73a
10179 Berlin