autor KMMagazin

Das Kultur Mitte Magazin widmet sich der öffentlichen Stadtkultur und allen Formaten der Gegenwartskunst. Wir informieren hier regelmäßig über aktuelle Ausstellungen und die Arbeit und Lage der freien Szene, berichten über unsere Kooperationspartner*innen sowie über Leute im Bezirk, die etwas auf die Beine stellen. In wöchentlichen Beiträgen werden sowohl zeithistorische Hintergründe beleuchtet als auch aktuelle Einblicke in die diverse und dynamische Stadtkultur von Berlin-Mitte gegeben. Wir stellen Netzwerke und Orte vor, in denen Neues ausprobiert wird und wo kulturelle Transformation stattfindet. Im Mittelpunkt von kurzen Essays und Gesprächen stehen stadträumliche und soziale Rahmenbedingungen von Kunst und Kultur sowie Arbeitsweisen und künstlerische Handschriften. Unsere Serien Was läuft … oder Stadt im Kopf wie auch regelmäßige Porträts, beispielsweise von Plätzen und Straßen, verdichten Themenschwerpunkte und profilieren das Magazin über die Jahre zu einem Archiv der Stadtkultur in Berlin-Mitte. Autorinnen: Ferial Nadja Karrasch, Marina Naprushkina, Monika Rinck, Dr. Anna-Lena Wenzel; Redaktion: Katja Kynast, Judith Laub und Dr. Ute Müller-Tischler.

miKrOPROJEKTE 2016

06.12.2016
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Das neue Förderformat “miKrOPROJEKTE” steht als Impuls für qualitative und vielseitige Kooperationen verschiedener Kunst- und Kulturschaffender, aus denen neue Potenziale für die Zusammenarbeit, den Stadtraum und seine Bewohner*innen hervorgehen können. Die unterschiedlichen Akteure haben so die Chance, die im Bezirk vorhandenen Arbeits- und Lebensbereiche kennen- und verstehen zu lernen. Voraussetzung hierfür ist ein Dialog, der offen ist für Experimente und Perspektivwechsel. Es müssen mindestens zwei Partner*innen gemeinsam ihr miKrOPROJEKT entwickeln, durchführen und auswerten.

 

Das neue Förderformat “miKrOPROJEKTE” steht als Impuls für qualitative und vielseitige Kooperationen verschiedener Kunst- und Kulturschaffender, aus denen neue Potenziale für die Zusammenarbeit, den Stadtraum und seine Bewohner*innen hervorgehen können. Die unterschiedlichen Akteure haben so die Chance, die im Bezirk vorhandenen Arbeits- und Lebensbereiche kennen- und verstehen zu lernen. Voraussetzung hierfür ist ein Dialog, der offen ist für Experimente und Perspektivwechsel. Es müssen mindestens zwei Partner*innen gemeinsam ihr miKrOPROJEKT entwickeln, durchführen und auswerten.

Der Fachbereich Kunst und Kultur im Bezirksamt Mitte von Berlin vergibt im Rahmen des Projekts „Programmkoordination für Stadtkultur und Vernetzung“ (2015-2017) seit Anfang 2016 jährlich Mittel für experimentelle künstlerische und kulturelle Kooperationsprojekte in einem der Fördergebiete Gesundbrunnen, Wedding, Moabit/ Tiergarten Süd bzw. gebietsübergreifend. Im Rahmen der ersten Ausschreibung 2016 wurden insgesamt 30 Projektideen eingereicht. In einem zweistufigen Vergabeverfahren wurden durch einen interdisziplinären Beirat sieben Projekte ausgewählt, die inzwischen alle erfolgreich realisiert wurden:

patched.work – Gyalpa Werkstatt e.V. und Rula Ali – ZK/U und in NUK´s: Im Zentrum für Kultur und Urbanistik (ZK/U) in Moabit hat Gyalpa e.V. eine Werkstatt eingerichtet, in der Geflüchtete gemeinsam mit Freiwilligen kunsthandwerklich tätig sind. Aktuell bietet die Werkstatt Raum für acht Personen um sich an fünf Tagen pro Woche kunsthandwerklich zu engagieren. Inzwischen wird die Werkstatt gemeinsam mit NormadicArt betrieben. Im Rahmen von patched.work wurden gemeinsam mit der Künstlerin Rula Ali und NormadicArt drei Kunst-, bzw. Kunsthandwerk- workshops für Erwachsene und Kinder durchgeführt.

Häuserzeilen – Sophia Pompéry, Tobias Roth – öffentlicher Raum: Ein Text entsteht auf dem Papier – aber er kann das Papier auch wieder verlassen. Im Falle des Projektes Häuserzeilen findet der Text wieder dorthin, wo er hergekommen ist: Er fand zurück auf die Straßen von Moabit. Dank Pinsel und Kreide schlängelte ein Gedicht durch die Moabiter Straßen: Material, Gegenstand und Illustration des Textes fallen zusammen. Ob es um die Geschichte des Viertels geht oder um die stille Großartigkeit des Alltags, in jedem Fall schließt sich ein Kreis und eröffnet neue Perspektiven. Gegenstand und Leseerlebnis verweben sich. Präsentiert wurden die Häuserzeilen im Rahmen eines Spazierganges mit den Künstlern: alle waren eingeladen der Fährte zu folgen, bis die Kreide wieder verschwunden war.

Kontext Düne – Constanze Fischbeck, Sven Kalden – Galerie Wedding: In einer performativen Aktion wanderte die Sanddüne Wedding in die Galerie Wedding in der Müllerstr. 146/147. Dort wurde sie zum Temporären Monument und Mittelpunkt eines Filmsets. Die Arbeit Düne Wedding – Studio bezieht sich auf die von Carl Hagenbeck vor dem ersten Weltkrieg geplante Tier – und Völkerschau auf dem Gelände des heutigen Volksparks Rehberge, auf die Rehberge als Wüstenfilmset zwischen 1919-25 sowie die atmosphärische Aufladung der Umgebung durch die Bezeichnung von Zugangsstraßen mit afrikanischen Stadt, Länder – und Landschaftsnamen. Kontext Düne setzte – zeitlich parallel zur Umbenennungsdebatte- gemeinsam mit Nachbarschaft und Experten neue Impulse für Verständnis und Konstruktion des Ortes.

Adapter|lokal – The Wedding Edition – Malte Giesen und ensemble adapter sowie weitere Komponisten aus dem Kiez – ExRotaprint: In einem dreitägigen Workshop haben drei im Wedding lebende Komponisten gemeinsam mit dem ensemble adapter experimentiert, musikalische Konstellationen erprobt und so die typische Arbeitsteiligkeit von Komponist und Ensemble aufgebrochen. In offener Atmosphäre konnten so neue Anregungen und Ideen für Stücke oder Konzerte entstehen. Der Raum im ExRotaprint, eine feste kulturelle Größe im Wedding, stand während der Arbeitsphase Interessierten offen – ein Raum zum Ausprobieren neuer Ideen, ohne den Anspruch auf ein fertiges Endprodukt. Ein Einblick in eine Werkstattarbeit.

trash-Parade – Silvia Witte, Henrik Jacob – Soldiner Kiez und Kulturpalast Wedding International: trash Parade arbeitete mit den Dingen die keiner mehr braucht: mit Sperrmüll im Kiez. Das Projekt widmete sich dem Thema: Was braucht der Mensch? Haben, Brauchen und Nicht-mehr-Brauchen im Soldiner Kiez. Die Untersuchung erfolgte mit künstlerischen Mitteln und unter kreativer Einbeziehung von Kiezbewohnerinnen und Künstlerinnen der Kolonie Wedding/ Kulturpalast Wedding.

Ausufernde Blickfelder – Anna Hentschel, Sophia Pompéry – Spree: Die Künstlerinnen haben ein Kayak-Faltboot um das Prinzip der Camera Obscura erweitert und ein lichtempfindliches Vehikel für die Spree und den Stadtraum um Moabit entwickelt: Diese schwimmende Lochkamera setzt der Bewegung von Wellen und Strömung einen unmittelbaren Bilderfluss entgegen. Die Bootstour wird zur filmischen Kamerafahrt und scannt die Stadt im Rhythmus der Spree. Die Insel Moabit wird umschifft und aus der Perspektive des Flusses nachgezeichnet. Dabei ist der Blick auf die Stadt neu und doch ursprünglich, denn die Kamera projiziert die Außenwelt genau so, wie die Linse unseres Auges: kopfüber und seitenverkehrt.

Wedding Parcours – Erik Drescher, Silvia Ocoungne – Bezirk/ öffentlicher Raum: „Wedding Parcours“ wollte den Bezirk mit seinen unzähligen Facetten – das rote Wedding, das türkische Wedding, das Alt- Berliner Wedding, das französische Wedding, das Industrie-Wedding und das neue Wedding – widerspiegeln. Alles Aspekte, die nicht richtig kommunizieren, am Ende aber doch ein vollständiges Bild dieses Ortes ergeben. Aus der Erforschung dieser Facetten entstand eine Komposition, die musikalische Interaktionen mit dem Ort ermöglichten und damit in einen Dialog mit Passanten und Nutzern der jeweiligen Räume forcierten . Die Komposition wurde bei jeder Station nur teilweise aufgeführt bzw. wurden verschiedene Aspekte des Stückes gespielt.

 

 

Der Beirat 2016: Jennifer Aksu (freie Künstlerin und Programmkoordinatorin) | Conny Breitkreutz (Management Uferstudios GmbH) | Eva Hübner (Förderband e.V.) | Patrick Klingenschmitt (Musikwissenschaftler und Geschäftsführer der inm – Initiative Neue Musik Berlin e.V.) | Katja Niggemeier (Quartiersmanagerin) | Katja Stoye-Cetin (freie Künstlerin).

DIe Ausschreibung der miKrOPROJEKTE 2017 startet am 2.12.2016 (Realisierungszeitraum 1.3. – 30.10.2017). Alle Unterlagen finden Sie unter: https://www.berlin.de/vergabeplattform/veroeffentlichungen/de/bekanntmachungen/83999

Für die miKrOPROJEKTE stehen in den Jahren 2016 und 2017 jeweils 22.000 Euro zur Verfügung.

Das Projekt „Programmkoordination für Stadtkultur und Vernetzung“ wird gefördert durch die Europäische Union und das Land Berlin im Rahmen des Programms „Zukunftsinitiative Stadtteil (II), Teilprogramm „Soziale Stadt“.

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