Anna-Lena Wenzel

Dr. Anna-Lena Wenzel* ist Autorin und Künstlerin. Nach ihrem Studium der Angewandten Kulturwissenschaften in Lüneburg promovierte sie über „Grenzüberschreitungen in der Gegenwartskunst“. Sie betreibt das Online-Magazin 99 % Urban und den Radiosalon für Alltägliches und ist in unterschiedlichen kollektiven Zusammenhängen unterwegs.

2021 – Worauf wir uns freuen

19.01.2021
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Worauf wir uns freuen
Worauf wir uns 2021 freuen: Berührungen, Zeichnung: E.N.
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Worauf wir uns 2021 freuen: Reisen, Zeichnung: E.N.
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Worauf wir uns 2021 freuen: Beisammensein, Zeichnung: E.N.

Das letzte Jahr war für die meisten von uns geprägt von Dingen, die nicht mehr möglich waren. Wobei nicht alles nicht mehr möglich war, sondern anders gedacht und umgesetzt werden musste. In der Reihe „Was geht (nicht) mit Corona“ haben wir die spezifische Situation der Kulturschaffenden in den Blick genommen, denen vielfach die Präsentations- und Aufführungsorte wegfielen und die gleichzeitig mit bewundernswerter Energie weitergemacht haben. Nun wollen wir den Blick auf das lenken, was uns Freude macht bzw. ganz konkret, worauf wir uns im Jahr 2021 freuen. Wir, das sind feste und freie Mitarbeiter*innen des Fachbereichs Kunst, Kultur und Geschichte des Bezirksamts Mitte.

Ich freue mich über die Kunst, die weiterhin entsteht. Weil die Künstler*innen nie aufhören zu arbeiten, auch wenn sie keine Ausstellungen und Auftritte haben. Die Pandemie hat nur die strukturellen „Löcher“ sichtbar gemacht. Ich freue mich auf kommenden Lösungen, die diese Diskrepanz zwischen Arbeit und Bezahlung im Kulturbereich aufheben. Die außerordentliche Situation macht vielleicht neue Denkansätze möglich.

Marina Napruskina, Institutions Extended

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Ich kann es nicht erwarten, wieder Tage so zu verbringen, dass sie lauter unerwartete Wendungen haben. Morgens aufstehen, sich verabreden und nicht wissen, wo einen das Geschehen hintreibt, in welchen Bars man endet, welche unentdeckten Routen man läuft und welche neuen Gesichter man sieht. Ich freue mich darauf, altbekannte und neue Orte wieder zu beleben und mich kreativ mit anderen Menschen auszutauschen, die die gleichen Interessen verfolgen.

Antonia Dengel, Studentin, Live-Speakerin in der Galerie Wedding

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Das Jahr 2020 hat unseren Bewegungs- und Erlebnisbereich sehr eingeschränkt und ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal so darauf freuen würde, wieder gemeinsam  mit anderen ein Konzert oder ein anderes kulturelles Event erleben zu können oder mich wieder mit Freunden im Café zu treffen. Eigentlich wäre ich gerade im Skiurlaub – frische Luft, Schnee, blauer Himmel, Pause in der Baude…. das vermisse ich und freue mich deshalb umso mehr auf die länger werdenden Tage, das verschwindende Grau und die Hoffnung, dass mit dem Frühling zumindest wieder mehr Leben und Begegnung möglich sind.

Auch in der MiK ist es zur Zeit viel zu ruhig und ich wünsche mir, dass hier wieder das Leben pulsiert und unsere Künstlerinnen und Künstler voller Ideen und Empathie das machen können, was sie am besten können und wofür sie brennen: ihre Liebe zur Kunst, ihr Handwerkszeug und ihre Visionen an die nächste Generation weitergeben, damit es auch künftig genug fantasievolle Menschen gibt, um solchen Krisen zu trotzen (oder sie vielleicht sogar dafür zu nutzen, die Welt ein wenig besser zu machen).

Carola Tinius, Sachgebietsleiterin Kulturelle Bildung/MiK Jugendkunstschule

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Ich freue mich auf Kinderstimmen in unseren Räumen. Ich freue mich auf das besondere Gefühl, das alle ergreift, wenn ein Kunstwerk gelingt.Und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit meinen Kolleg*innen, auf das Gewusel in der Küche, ja sogar auf unsere Alltagskonflikte freue ich mich – auf normales Leben eben.

Ulrike Stöhring, Atelier Farbklang in der MiK Jugendkunstschule

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Vor ein paar Tagen habe ich geträumt, dass ich eine Ausstellung besuche. Ich gehe durch den Hof ins Foyer, in dem schon ein paar Sachen zu sehen sind, einige andere Besucher*innen sind dort. Dann biege ich in die Ausstellungsräume, gehe immer weiter durch, es ist so voll wie in einem Club, die Schultern reiben aneinander, nahe Gesichter, niemand trägt eine Maske. Ich freue mich darauf, wenn das einfach wieder ein etwas schlichter Traum ist und kein Alptraum. Dann freue ich mich darauf, dass der Bärenzwinger in ein Schiff und eine Mine verwandelt wird. Ich freue mich tatsächlich auf die Impfung. Vielleicht schlafe ich danach eine Woche lang.

Katja Kynast, Projektkoordinatorin für Kommunikation | Fachbereich Kunst, Kultur und Geschichte/ Künstlerisches Leitungsteam | Bärenzwinger

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Ich freue mich darauf, irgendwann im Herbst, nach meiner Impfung, eine Urlaubsreise zu machen. Darauf meine Koffer zu packen, darauf mich in die Bahn zu setzen, ohne Sorge davor, mit wem ich die Raumluft teile und darauf zurückzukommen und mich die ersten paar Tage ein bisschen fremd zu fühlen in meiner Stadt.

Esra Nagel, Künstler*in, Kommunikationsassistenz Bärenzwinger und Klosterruine Berlin

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Ich freue mich auf den Moment, wenn man wieder ohne Bedenken reisen darf. Es muss gar nicht unbedingt so weit weg sein, aber es geht um den Moment des Input-Bekommens, um den Tapetenwechsel, um das offene und neugierige Schauen, wenn man irgendwo zum ersten Mal ist. Ich habe versucht mit diesem Blick im letzten Jahr in und durch Berlin zu gehen, und habe dabei tolle neue Ecken und Orte entdeckt, aber langsam brenne ich darauf, meinen Radius wieder zu erweitern und von Neuem überfordert zu sein.

Anna-Lena Wenzel, Freie Autorin Kultur Mitte Magazin

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2021 freue ich mich darauf, meine Eltern und Schwiegereltern endlich wieder besuchen zu können, mal wieder zu verreisen, ins Museum und ins Theater gehen zu können. Ich freue mich darauf, meine Freunde für ein gemeinsames Abendessen im großen Kreis treffen zu können und nicht jeden Tag auf Fallzahlen achten zu müssen (vielleicht zu optimistisch und etwas, worauf ich mich 2022 freuen kann…). Ich freue mich auf Nachrichten ohne Trump. Und ich freue mich – sofern Corona es zulässt und wir einen Kitaplatz bekommen – auf Zeit für meine Arbeit.

Ferial Nadja Karrasch, Freie Autorin Kultur Mitte Magazin

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Ich freue mich natürlich am meisten darauf, die neue Dauerausstellung eröffnen zu können (und auch Zusatzausstellungen im Rathaus Tiergarten), endlich wieder Besucher*innenverkehr zu haben und dadurch spannende Unterhaltungen und Diskussionen führen zu können. Zusätzlich freue ich mich auf die Arbeit (und die Publikation) eines Buches, welches sich mit der Dekolonisierung bzw. der Rolle Mittes vor, während und nach der Zeit der deutschen Kolonisierungen befassen wird. Außerdem sind mehrere Veranstaltungen (Workshops, Kolloquien, Bibliotheksführungen) mit Studierenden der Berliner Unis geplant.

Nathan Friedenberg, Sachgebietsleiter Erinnerungskultur und Geschichte/ Museumsleitung Mitte Museum

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Ich freue mich auf jeden Fall sehr, ein Begleit- und Bildungsprogramm für die neue Dauerausstellung zu erarbeiten, deren Inhalte wir ja bekanntlich in den vergangenen Monaten gemeinsam erarbeitet haben. Wie können wir die Inhalte durch Kurator*innenführungen anteasern und das Interesse von Besucher*innen wecken? Eine große Frage wird dabei für mich auch sein, welche Möglichkeiten wir haben, um ein dazugehöriges Online Angebot bereitzustellen.

Felix Fuhg, Volontär Mitte Museum

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Nähe, Alt und Jung: Ich freue mich auf die Umwandlung der Galerie Wedding, in ein „Movement Research Zentrum“, um neue Choreografien der öffentlichen Räume und des Miteinanders von Leuten aller Altersgruppen zu ermöglichen.

An einem neuen Ort ankommen: Es wird ein neues Kunst- und Performanceprogramm Existing Otherwise / Anders Existieren geben, das Ende des Jahres nach Accra in Ghana reisen und im Savannah Center for Contemporary Art zu Gast sein wird; auf diese Zusammenarbeit bin ich sehr neugierig. Ich freue mich darauf, an einem neuen Ort anzukommen!

Wandel: Ich freue mich auf die menschliche Verwandlung, die hoffentlich mit der Zeit und mit dem Nachdenken über 2020 einkehrt, auf die neuen Kompetenzen und Werte, die entstehen können und entstehen werden. 

Solvej Helweg Ovesen, Künstlerische Leiterin der Galerie Wedding

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Nach diesem endlosen Pandemiewinter freue ich mich besonders auf den Frühling. Darauf, dass die Tage heller und länger werden. Ich hoffe, dass bis dahin zumindest in Teilen des Alltags wieder eine größere Unbeschwertheit mitschwingt.

Im Job freue ich mich auf die neuen Kunst- und Kulturprojekte, die wir fördern werden. Diese übers Jahr zu begleiten, bereitet mir immer viel Vergnügen. Sicher wird es auch in diesem Jahr eine Herausforderung bleiben, alle Vorhaben umzusetzen. Aber ich habe bei den Kunst- und Kulturschaffenden, mit denen ich letztes Jahr gearbeitet habe, einen unvergleichlichen Willen zur Umsetzung trotz aller Widerstände und Einfallsreichtum im Umgang mit den coronabedingten Problemen erlebt. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir auch im Jahr 2021 wieder spannende und inspirierende Projekte realisieren werden.

Diana Bach, Leitung Projektförderung / Drittmittelkoordination 

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Am meisten freue ich mich, wenn 2021 Stück für Stück eine Unbeschwertheit im Miteinander zurückkommt. Auch Kunst, Kultur und Bildung brauchen das Miteinander, die Begegnung und den Austausch, um lebendig zu sein. Es ist beeindruckend, mit welchem Durchhaltevermögen Kulturschaffende im vergangenen Jahr an Wegen gearbeitet haben, Kunst- und Kulturproduktionen für uns in den virtuellen Raum zu übersetzen. Aber ich freue mich auf die Zeit, in der die Kreativität der Kunst- und Kulturschaffenden auch im analogen Leben wieder mit allen Sinnen erfahrbar und sichtbarer wird, denn Kunst und Kultur – ob es uns bewusst ist oder nicht – machen einen spürbaren Teil der Atmosphäre der Stadt aus, in der wir leben.

Jana Koch, Sozialraumorientierte Planung im Amt für Weiterbildung und Kultur

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Ich hoffe darauf, dass positiv wieder etwas Positives ist, dass 3D-Rundgänge wieder in Raum und Zeit stattfinden, dass Zoomen wieder ein filmisches Verfahren sein darf, dass Menschen wieder aufeinander zugehen anstatt zurückzugweichen, dass Tests wieder in der Schule stattfinden, dass der Schauer beim heimlichen Anfassen von Kunstobjekten keine Angst vor Schmierinfektion ist, dass wir beim Klang von Gesang und Musik schockbewegt im Theater die Hand des fremden Nachbarn ergreifen können, dass die Politik Kunst und Kultur endlich als lebensnotwendige geistige Nahrung einstuft und sichere Orte wie Museen und Galerien öffnen können!

Just Imagine the opposite:
Food delivery online. It works perfectly as we already know!
Culture in real life, because the concepts for visitors are safe!
We could do it!
Just imagine the opposite!

Veronika Witte, Künstlerische Leiterin Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten

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